Auf dem Weg zur Großsekte?! – die aktuelle Situation der katholischen Kirche in Deutschland

Am 7. Oktober 2021 konnte unser Berg-CV-Zirkel gemeinsam mit KV und UV einen hochkarätigen Referenten begrüßen: Joachim Frank, Chefkorrespondent von DuMont und Mitglied im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Veranstaltung fand im Pfarrsaal der Gemeinde St. Nikolaus in Bensberg statt.

Joachim Frank bei seinem Vortrag

Joachim Frank ist Journalist, Buchautor und Korrespondent mit den Schwerpunkten Innenpolitik sowie kirchliche und kirchenpolitische Themen. Er ist bei der Mediengruppe DuMont Chefkorrespondent und Mitglied der Chefredaktion des „Kölner Stadt-Anzeigers“ sowie Mitglied des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).
Er ist im Ehrenamt Vorsitzender der „Gesellschaft Katholischer Publizisten“ (GKP), des katholischen Journalistenverbands. In dieser Eigenschaft gehört er dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an und ist gewähltes Mitglied im Hauptausschuss des Laien-Dachverbands. Er war selbst katholischer Priester und lebt heute mit seiner Familie in Köln.

Joachim Frank schlug bei seinem Einführungsvortrag einen weiten Bogen von den Anfängen der Kirche im Untergrund vor 2000 Jahren bis zu den Herausforderungen und Zumutungen unserer Tage. Es ging um die Rolle des Glaubensverlustes in der katholischen Kirche, den Verlust kirchlicher Bindungen durch die letzten Generationen, um die Rolle der Frau in der Kirche, die Unterschiede im Kirchenverständnis zu den Kirchen der Reformation, die Vorgänge rund um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und und und – und um mögliche Lösungsansätze für eine Kirche der Zukunft. Natürlich mussten die Themen in dieser Dichte kursorisch behandelt bleiben, dennoch verstand Herr Frank es sehr gut, die Grundzüge seiner Arbeit und seiner Kritik deutlich zu machen: eine Kirche ohne Bezug zur Lebens- und Erfahrenswelt der Gläubigen wird schrumpfen – und ohne Änderungen im Hierarchieverständnis des Priesteramtes werden möglicherweise Vorgänge wie der aktuelle Missbrauchsskandal auch in Zukunft eher weiter begünstigt statt verhindert. Die anschließende Diskussion zeugte von der Sorge der Anwesenden um „ihre“ Kirche, dokumentierte aber auch ein Stück Hilflosigkeit im Umgang mit der aktuellen Situation. Hier musste Herr Frank durchaus seine früher eingeübten seelsorglichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Und so machte der Abend dennoch Hoffnung auf Möglichkeiten, das Ruder in der Kirche noch herumreißen zu können. Wir werden – und müssen! – das als Zirkel weiter aktiv begleiten. Der Abend endete mit großem Applaus und Dank für den Referenten.

Die Rezeption des Kölner Stadtanzeigers fiel fast überrascht aus: „Beifall von unerwarteter Seite“ – also von Seiten unseres Cartellverbandes. Auch wenn der Kölner Stadtanzeiger damit den Kartellverband und den Unitas-Verband unterschlägt, hat er damit einen Punkt. Seine Vermutung, dass die Bewältigung des Missbrauchsskandals so viel Energie absorbiere, dass es vielen an Kraft fehle, die alten Schlachten erneut zu schlagen, muss nicht geteilt werden. Es fiel aber deutlich auf, dass die Grundhaltung kritisch-konstruktiv war und vom Wunsch getragen, endlich wieder ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.